{"id":17042,"date":"2018-05-25T11:52:49","date_gmt":"2018-05-25T09:52:49","guid":{"rendered":"http:\/\/staging-sociusalt.socius.de\/?p=17042"},"modified":"2021-04-24T17:53:24","modified_gmt":"2021-04-24T15:53:24","slug":"holding-space","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging-sociusalt.socius.de\/en\/holding-space\/","title":{"rendered":"Holding Space  \u2013 Wie lassen sich transformative R\u00e4ume in Organisationen verankern?"},"content":{"rendered":"[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.22&#8243;][et_pb_row _builder_version=&#8220;3.25&#8243; background_size=&#8220;initial&#8220; background_position=&#8220;top_left&#8220; background_repeat=&#8220;repeat&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;3.25&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.9.3&#8243;]\n<h3>Holding Space<\/h3>\n<h4>Wie lassen sich transformative R\u00e4ume in Organisationen verankern?<\/h4>\n<p>In unserer Praxis der Organisationsentwicklung begleiten wir Gruppen auf der Suche nach nachhaltigeren Formen des Zusammenwirkens. Die Momente, in denen durch tiefen Austausch etwas grunds\u00e4tzlich Neues m\u00f6glich wird, in denen sich ein Erkenntnisfenster \u00f6ffnet und eine gemeinsame Welle von Handlungsenergie entsteht, sind wertvoll. Sie haben etwas zu tun mit der Qualit\u00e4t des symbolischen Raums, in dem sie geboren werden. Leider enden diese transformativen Momente zu oft unsanft an den harten Klippen der Organisation. Immer wieder fragen wir uns, wie sich der Gehaltene Raum in den organisationalen Alltag integrieren l\u00e4sst, damit ein angesto\u00dfener Impuls sich organisch in neuer Praxis niederschlagen kann.<\/p>\n<p>Dieser Artikel ist eine Einladung, dar\u00fcber gemeinsam nachzudenken.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<ol>\n<li><strong>Das Konzept \u2013 Was macht Gehaltene R\u00e4ume aus?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Das Konzept des Raum Haltens (Holding Space) entstammt der Prozessarbeit mit Gruppen. \u201eGehaltene R\u00e4ume\u201c sind Entwicklungsblasen &#8211; sozial konstruierte Container, die tiefere \u00d6ffnung und Transformation erm\u00f6glichen. Sie haben in diesem Sinne eine Absicht und sind gleichzeitig offen f\u00fcr Emergenz, also nicht auf ein bestimmtes Ergebnis ausgerichtet. Die beabsichtigten \u00d6ffnungen k\u00f6nnen sich auf individueller Ebene (als Selbstentwicklung), auf Gruppenebene (als Entwicklung der Qualit\u00e4t von Beziehungen und Interaktionen) oder auf die Welt gerichtet vollziehen (z.B. in co-kreativen Gestaltungsprozessen).<\/p>\n<p>Die Wirkweise gehaltener R\u00e4umen ist dabei paradox: Der sichere Rahmen erm\u00f6glicht produktive Verunsicherung; das darin etablierte Vertrauen l\u00e4dt zum Verlassen der Comfort-Zone ein; die Erlaubnis zum Sich-Zeigen erm\u00f6glicht das Aufbrechen bestehender Denk- und Verhaltensmuster; das Experimentieren mit Perspektiven und mit produktiven Differenzen ist der Einstieg zu neuen Erkenntnissen und zu tiefem Lernen, das eine pers\u00f6nliche Ebene anr\u00fchrt.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Die Zutaten \u2013 Was braucht es zum Raum Halten?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Ein Raum braucht zun\u00e4chst einmal eine (physische oder symbolische) Eingrenzung, die ihn definiert und aufspannt. Diese Grenze markiert die Unterscheidung vom Alltag und wirkt als Schutzmembran. Der Eintritt in den Raum ist dabei freiwillig, die Einlasstiefe wird selbst reguliert. Im Gehaltenen Raum herrscht ein anderes Klima als drau\u00dfen: Es gelten andere Spielregeln, andere Interaktionsformen, eine andere Intentionalit\u00e4t oder Fokussierung. Die symbolische Schlie\u00dfung erm\u00f6glicht zugleich eine besondere Qualit\u00e4t von Resonanz der im Raum befindlichen Personen und Dinge. Das Grundrauschen der Alltagswelt ist reduziert, die Stimmen im Raum haben mehr Pr\u00e4gnanz. Der Raum bietet zudem die M\u00f6glichkeit zu \u201etransformierenden Austauschen\u201c, in denen bedeutungsvolle Differenzen erkundet werden k\u00f6nnen (Eoyang und Quade, 2012). Gehalten wird er durch eine Person oder Gruppe, die die Spielregeln h\u00fctet (und im Falle von Grenz\u00fcbertritten interveniert) und den Prozess der Selbstorganisation der Gruppe und die Formate des Austauschs mit minimalen Interventionen unterst\u00fctzt. In den Worten von Harrison Owen geht es bei dieser Rolle um \u201eEnergie und Distanz, um Pr\u00e4senz und Unsichtbarkeit\u201c. Gelingendes Raum-Halten h\u00e4ngt dabei nicht nur von einer hohen Sensibilit\u00e4t f\u00fcr die innere Dynamik der Gruppe und die (meist unterschiedlichen) Bed\u00fcrfnisse ihrer Mitglieder ab, sondern auch von einer Gekl\u00e4rtheit bez\u00fcglich der eigenen Absichten und Bed\u00fcrfnisse.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong>Gehaltene R\u00e4ume in Organisationen <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Wenn Selbstorganisation und Organisationales Lernen aufgrund von Feld- und Anspruchsentwicklungen an Bedeutung gewinnen, braucht es neben punktuellen \u00d6ffnungen in Klausuren auch strukturell verankerte R\u00e4ume, die die prozesshafte Entwicklung von Impulsen unterst\u00fctzen und im Alltag begleiten. Diese Schnittstelle und Verstetigung in den Alltag der Organisation ist bisher eine recht offene Flanke, vor allem, weil das Verh\u00e4ltnis der Eigenlogiken von Organisationen und Gehaltenen R\u00e4umen von verschiedenen \u201etektonischen Spannungen\u201c bestimmt wird (Kolenaty und Weber 2003). Strukturell manifestiert sich dies vor allem in der Herausforderung, Selbstorganisation und Freiwilligkeit mit bestehenden F\u00fchrungsarchitekturen und Rollenverbindlichkeiten zu koppeln. Strategisch reibt sich zudem die Zielorientierung und Planungsanforderung von Organisationen mit der Entwicklungsoffenheit und Emergenz gehaltener R\u00e4ume. Chaos und Ordnung stehen hier in einem Spanungsverh\u00e4ltnis, das energetisiert, aber auch herausfordert.<\/p>\n<p>Bei der Konstruktion von R\u00e4umen, die beide Modi verbinden, lassen sich grunds\u00e4tzlich zwei Modelle denken: die Differenzierung und die Verschmelzung.<\/p>\n<p>In der Differenzierungsvariante werden regelm\u00e4\u00dfige Entwicklungsrahmen in den Organisationsalltag eingebaut, die als Reflexions- und Erkenntnisfenster eine kontinuierliche Parallelspur zur Produktionslogik darstellen. Diese Rahmen k\u00f6nnen in Form von turnusm\u00e4\u00dfigen Klausuren, als ritualisierte Teile von Teammeetings und Aussprachen oder auch als systematische Leerstellen der Formal-Struktur verankert werden, in denen informelle Austausch-Arenen entstehen k\u00f6nnen. Der symbolische Container kann ebenso durch die gro\u00dfen Linien von Entwicklungsprozessen aufgespannt werden, in denen Prototypen einer neuen Kultur und Organisationsrealit\u00e4t entwickelt und erprobt werden. Externe Prozessbegleiter*innen bieten sich hier als Raum-Haltende an, genauso kann diese Rolle aber auch von innen heraus ausgef\u00fcllt werden. Die differenzierte Variante erfordert eine saubere Schwellen-Gestaltung und Kontextklarheit zwischen den R\u00e4umen \u2013 etwa eine klare Trennung von Erkundung und Entscheidung, klar markierte \u00dcberg\u00e4nge von geleiteten, moderierten und selbstorganisierten Settings und transparente Rahmenvorgaben, innerhalb derer Exploration stattfinden kann. Entscheidend ist hier auch die Mechanik des Ein- und Auslagerns von Impulsen zwischen den R\u00e4umen: Wie kommen Themensetzungen in offenen R\u00e4umen zustande? Welche Bindekraft haben Ergebnisse? Und nicht ganz unwesentlich: Wie wird mit pers\u00f6nlichen \u00d6ffnungen umgegangen, die im Rahmen des Alltagsgef\u00fcges Verletzlichkeit einher bringen?<\/p>\n<p>Noch anspruchsvoller ist eine Kopplungsvariante, bei der eine ganzheitliche \u00dcbernahme der Prinzipien Gehaltener R\u00e4ume in die Organisation erfolgt. Eine zentrale Bearbeitungsebene ist dabei die Organisationskultur: den Container des Gehaltenen Raumes spannen im Idealfall eine gemeinsame Vision und geteilte Werte auf. Transformative Austausche sind hier nicht mehr in Inseln komprimiert, sondern bilden den grunds\u00e4tzlichen Modus Operandi und das \u201eKerngesch\u00e4ft\u201c der inneren Organisation. Gest\u00fctzt wird diese Praxis durch ein System leichter, \u201eatmender\u201c Strukturen, die Erwartungssicherheit schaffen, aber nicht vorpr\u00e4gen, in welche Richtung Entwicklung sich vollzieht.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Verschmelzungs-Variante existieren etwa mit chaordischen (Owen 2012) und evolution\u00e4ren Modellen (Laloux 2015) bereits einige Baupl\u00e4ne. Dabei ist zu beachten, dass die \u00dcbernahme dieser Modelle kaum \u201evon der Stange\u201c funktioniert, sondern eine intensive Aneignung erfordert. Ohne einen gemeinsamen Entwicklungsprozess, in dem offen \u00fcber Bed\u00fcrfnisse und Bef\u00fcrchtungen zu ganzheitlichen Formen der Zusammenarbeit gesprochen wird, sind die notwendigen Rollen- und Haltungswechsel der Beteiligten eher unwahrscheinlich. Das Raum-Halten als neue Aufgabenbeschreibung von F\u00fchrungskr\u00e4ften stellt hier eine ebenso gro\u00dfe Herausforderung dar, wie die Anforderungen der Selbstorganisation und Verantwortungs\u00fcbernahme im Team. Beides braucht neue Kompetenzen, Rollenentwicklung und reflektierte Praxis. Die Angst-Lust am \u201eorganisationalen Bunjee-Jumping\u201c (Kolenaty und Weber, 2003), die in der nicht-kontrollierbaren \u00d6ffnung des Raumes entsteht, bleibt dabei ein st\u00e4ndiger Begleiter.<\/p>\n<p>Die Frage, wie sich transformative R\u00e4ume in Organisationen verankern lassen, ist mit diesen \u00dcberlegungen nur ein kleines St\u00fcck bearbeitet. Wir freuen uns \u00fcber ein gemeinsames Weiterdenken und \u00fcber einen Austausch von Erfahrungen und Ideen zum Holding Space Konzept, sei es als Kommentar oder im Gespr\u00e4ch bei einem der n\u00e4chsten SOCIUS Labore.<\/p>\n<ul>\n<li>Kolenaty, E. und Weber, S. (2003): Open Space und Organisation \u2013 in Zeitschrift f\u00fcr Organisationsentwicklung, 22. Jg\/2003, s.48.59<\/li>\n<li>Owen,Harrison (2000): The Power of Spirit. How Organizations transform. Berrett Koehler. San Francisco.<\/li>\n<li>Glenda Eoyang und Kristine Quade (2012): \u201eAfter the Dance\u201c, Human Systems Dynamics<\/li>\n<\/ul>\n[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Holding Space Wie lassen sich transformative R\u00e4ume in Organisationen verankern? In unserer Praxis der Organisationsentwicklung begleiten wir Gruppen auf der Suche nach nachhaltigeren Formen des Zusammenwirkens. Die Momente, in denen durch tiefen Austausch etwas grunds\u00e4tzlich Neues m\u00f6glich wird, in denen sich ein Erkenntnisfenster \u00f6ffnet und eine gemeinsame Welle von Handlungsenergie entsteht, sind wertvoll. 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