{"id":21361,"date":"2021-03-29T19:54:33","date_gmt":"2021-03-29T17:54:33","guid":{"rendered":"http:\/\/staging-sociusalt.socius.de\/?p=21361"},"modified":"2021-05-04T18:50:23","modified_gmt":"2021-05-04T16:50:23","slug":"ich-moechte-etwas-sinnvolles-tun-frauen-in-non-profit-organisationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging-sociusalt.socius.de\/en\/ich-moechte-etwas-sinnvolles-tun-frauen-in-non-profit-organisationen\/","title":{"rendered":"SOCIA Ausblicke: &#8222;Ich m\u00f6chte etwas Sinnvolles tun&#8220; &#8211; Frauen in Non-Profit-Organisationen"},"content":{"rendered":"[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.9.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.9.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.9.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;pers\u00f6nliches Vorwort&#8220; _builder_version=&#8220;4.9.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;]\n<h4><strong>Ein pers\u00f6nliches Vorwort<\/strong><\/h4>\n<h5><u>Der Beginn<\/u><\/h5>\n<p>Ich war Berufsanf\u00e4ngerin, als ich 1991 von Berlin nach Bayern zog, um dort eine Projektstelle im Kontext der KZ-Gedenkst\u00e4tte <em>Dachau<\/em> anzutreten. Das Ziel war der Aufbau einer Internationalen Jugendbegegnungsst\u00e4tte. Mein Arbeitgeber, der F\u00f6rderverein f\u00fcr Internationale Jugendbegegnung und Gedenkst\u00e4ttenarbeit in Dachau e. V., k\u00e4mpfte schon eine Weile f\u00fcr dieses Vorhaben, gegen den zum Teil erbitterten politischen Widerstand der CSU und eines Teils der Dachauer Bev\u00f6lkerung. \u00dcber die Stiftung Jugendmarke konnte nun eine mehrj\u00e4hrige entsprechende Projektstelle finanziert werden. Ich war von dem Vorhaben und der Stellenbeschreibung begeistert, lie\u00df mich von einem Freund f\u00fcr das Bewerbungsgespr\u00e4ch coachen und nahm dann mit Freude die Stelle an.<\/p>\n<p>Der Vereinsvorstand bestand damals aus 12 Personen. Ich, eine Historikerin frisch von der Uni, aber mit Erfahrung in Antirassismus- und Jugendarbeit, war die einzige Angestellte. Unterst\u00fctzung in der praktischen Arbeit bekam ich durch eine Honorarkraft (einen Tag die Woche) sowie durch Freiwillige der Aktion S\u00fchnezeichen Friedensdienste.<\/p>\n<p><em>Meine Aufgabe<\/em> lautete, Konzepte f\u00fcr die vor allem internationale Bildungsarbeit an der Gedenkst\u00e4tte weiter zu entwickeln und zu erproben, da die Gedenkst\u00e4tte damals noch \u00fcber keine eigene Bildungsabteilung verf\u00fcgte; ferner galt es Zeitzeug*innen zu betreuen, die Internationale Jugendbegegnungsst\u00e4tte politisch durchzusetzen und schlie\u00dflich klassische Vereinsorganisation zu leisten.<\/p>\n<p>Ich war jung, hochgradig motiviert und reichlich aufgeregt ob der anspruchsvollen Aufgabe und des neuen Lebensumfeldes. Und tats\u00e4chlich entwickelten sich die Jahre in Dachau zu einer <em>pr\u00e4genden Zeit<\/em>: bez\u00fcglich meiner ethischen Haltung und meiner Vorstellungen von gelingender Arbeit sowie hinsichtlich meines Bildes von f\u00f6rdernden Vorgesetzten. Auch entstanden Freundschaften, die bis heute Bestand haben.<\/p>\n[\/et_pb_text][et_pb_text admin_label=&#8220;Die Mentorin&#8220; _builder_version=&#8220;4.9.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;]\n<h5><u>Die Mentorin<\/u><\/h5>\n<p>Von Beginn an brachte mir der Vorstand gro\u00dfes Vertrauen entgegen und lie\u00df mich viel selbstst\u00e4ndig arbeiten. Der Vorsitzende, ein gut vernetzter M\u00fcnchner SPD-Politiker, \u00fcberlie\u00df mir sogar Blankounterschriften zur freien Verf\u00fcgung. Und passierten Fehler, stellten sich die Vorst\u00e4nd*innen hinter mich.<\/p>\n<p>Zu einem <em>lebenslangen Vorbild als Mentorin<\/em> wurde dann Barbara Distel, langj\u00e4hrige Leiterin der KZ-Gedenkst\u00e4tte Dachau und stellvertretende Vereinsvorsitzende. Die Gedenkst\u00e4tte wurde 1965 aufgrund des internationalen Drucks errichtet und hatte sich zu einem internationalen Besuchsmagneten entwickelt. Barbara Distel \u00fcbernahm die Leitung im Zuge der Gr\u00fcndung, eine f\u00fcr die damalige Zeit au\u00dfergew\u00f6hnliche Leitungsposition f\u00fcr eine Frau. \u00dcber Jahrzehnte immer wieder von konservativen und rechten Kreisen stark angefeindet, trat sie konsequent parteiisch f\u00fcr die Verfolgten des Naziregimes ein und lie\u00df sich durch die massiven Widerst\u00e4nde nicht beirren &#8211; sie hatte eine <em>inhaltliche Mission<\/em>, ihren Ort daf\u00fcr gefunden, nutzte alle bestehenden M\u00f6glichkeiten und setzte die Mission um.<\/p>\n<p>Barbara Distel nahm mich unter ihre Fittiche. Ich z\u00e4hlte zu den festen Teilnehmer*innen der w\u00f6chentlichen Dienstbesprechungen in der Gedenkst\u00e4tte und wurde regelm\u00e4\u00dfig zum Mittagessen und einem damit verbundenem inhaltlichen Austausch eingeladen. Und schon nach kurzer Zeit erm\u00e4chtigte mich Barbara Distel, bei Veranstaltungen und Tagungen im In- und Ausland als Vertreterin der KZ-Gedenkst\u00e4tte Dachau aufzutreten.<\/p>\n<p><em>Die immense Bedeutung dieser F\u00f6rderung meiner Person<\/em> war mir zu Beginn nicht klar; so richtig bewusst wurde es mir erst, als ich im Lauf des weiteren Berufslebens feststellte, dass es sich hier mitnichten um Selbstverst\u00e4ndliches handelt. Barbara Distel, ihr Engagement und ihre vertrauensvolle (Nachwuchs-)Frauenf\u00f6rderpolitik sind mir immer ein Ma\u00dfstab f\u00fcr eigenes Handeln geblieben.<\/p>\n<p>Irgendwann lief die Finanzierung meiner Stelle aus, eine Folgefinanzierung f\u00fcr die volle Stelle konnte der Verein nicht akquirieren. So orientierte ich mich beruflich neu. Aber der Beschluss zur Errichtung einer Internationalen Jugendbegegnungsst\u00e4tte in Dachau war auf h\u00f6chster politischer Ebene gefasst \u2013 das inhaltliche Ziel damit erreicht. 1998 wurde das Haus er\u00f6ffnet.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><\/a><\/p>\n[\/et_pb_text][et_pb_divider _builder_version=&#8220;4.9.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;][\/et_pb_divider][\/et_pb_column][\/et_pb_row][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.9.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.9.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Zahlen Daten Fakten&#8220; _builder_version=&#8220;4.9.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;]\n<h4><strong>Frauen in Non-Profit-Organisationen (NPO) heute<\/strong><u>\u00a0<\/u><\/h4>\n<h4><u>Daten und Fakten<\/u><\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-21348 size-medium alignright\" src=\"http:\/\/staging-sociusalt.socius.de\/wp-content\/uploads\/20160410_103804-300x193.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"193\" \/>Seit es den NPO-Sektor gibt, engagieren sich hier Frauen f\u00fcr die unterschiedlichsten Belange, zunehmend auch in Form von Erwerbst\u00e4tigkeit. Auf die Frage, warum sie f\u00fcr eine NPO arbeite, antwortete eine Frauen-F\u00fchrungskraft im Rahmen einer <a href=\"https:\/\/miami.uni-muenster.de\/Record\/2c78a53e-4232-488d-9a4d-afc9ac20e5d9\">2017 publizierten Studie<\/a>: \u201eIch m\u00f6chte was Sinnvolles tun, m\u00f6chte mich einsetzen, m\u00f6chte was f\u00fcr die Gesellschaft tun\u201c. Beweggr\u00fcnde, die mir, angefangen bei der oben vorgestellten Barbara Distel, bei Frauen in NPOs immer wieder begegnen.<\/p>\n<p>Insgesamt hat sich der NPO-Sektor in Deutschland zu einem <em>bedeutenden Arbeitsfeld<\/em> entwickelt, 2019 wurden hier 3,1 Millionen Erwerbst\u00e4tige gez\u00e4hlt. <a href=\"https:\/\/www.gender-blog.de\/beitrag\/frauen-im-nonprofit-sektor\">Das waren 8% aller Besch\u00e4ftigten, davon stellten Frauen rund 75%<\/a>. Allgemein n\u00e4hert sich die Erwerbst\u00e4tigenquote von Frauen laut Aussage des Statistischen Bundesamtes vom M\u00e4rz 2020 der Erwerbst\u00e4tigenquote von M\u00e4nnern immer weiter an; insbesondere unter \u00e4lteren Frauen bis 64 Jahren ist sie stark gestiegen. Dies entspricht auch meinem Erleben, sowohl im beruflichen wie im privaten Kontext. Viele Frauen arbeiten allerdings in<em> Teilzeit<\/em>, mit Folgen f\u00fcr die soziale Absicherung bei Arbeitslosigkeit und Rente: <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2020\/03\/PD20_N010_132.html.\">W\u00e4hrend 2018 nur knapp 9% der M\u00e4nner in Teilzeit besch\u00e4ftigt waren, waren es Frauen zu 47%<\/a>. Auch in NPOs arbeiten deutlich mehr Frauen als M\u00e4nner in Teilzeit: 58% gegen\u00fcber 24% bei M\u00e4nnern (2019).<\/p>\n<p>Bislang finden sich &#8211; leider &#8211; nur wenige Untersuchungen speziell zur Besch\u00e4ftigtensituation von Frauen in NPOs. Noch unklar ist momentan au\u00dferdem, wie sich hier mittel- und langfristig die <em>Pandemie 2020\/21<\/em> auswirken wird. Untersuchungen zur allgemeinen Erwerbst\u00e4tigkeit kommen jedenfalls zu dem Ergebnis, dass insbesondere Frauen von der Reduzierung des Erwerbseinkommens sowie der \u00dcbernahme der famili\u00e4ren Sorgearbeit betroffen sind: \u201e<a href=\"http:\/\/de.euronews.com\/2021\/03\/07\/frauen-sind-starker-von-der-pandemie-betroffen\">Die Wirtschaftskrise infolge der Pandemie \u2026 (hat) M\u00e4nner und Frauen unterschiedlich getroffen. Frauen arbeiten h\u00e4ufiger im Gesundheitswesen, in der unbezahlten Pflege und in der Hausarbeit, wodurch sie anf\u00e4lliger f\u00fcr die Folgen der Pandemie sind.<\/a>\u201c <a href=\"http:\/\/www.globalcitizen.org\/de\/content\/5-folgen-der-covid-19-pandemie-zeigen-warum-frauen\/\">Auch sind Frauen oft die ersten, die ihren Job verlieren<\/a>.\u00a0Eine weitere, sehr unerfreuliche Folge der pandemiebedingten Lockdowns ist die massive Zunahme h\u00e4uslicher Gewalt gegen Frauen und Kinder, auch die <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/charite-und-justiz-veroeffentlichen-zahlen-haeusliche-gewalt-in-berlin-nimmt-im-corona-jahr-zu\/26970466.html.\">Zunahme der Schwere der Verletzungen<\/a>. Inwiefern sich diese Gewaltverh\u00e4ltnisse auf die Erwerbst\u00e4tigkeit von Frauen auswirken, bleibt noch zu untersuchen.<a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a><\/p>\n[\/et_pb_text][et_pb_text admin_label=&#8220;Strukturen von NPOs&#8220; _builder_version=&#8220;4.9.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;]\n<h4><u>Strukturbesonderheiten von NPOs<\/u><\/h4>\n<p>NPOs sind im Vergleich zu Wirtschaftsunternehmen und Beh\u00f6rden vor allem aufgrund ihrer Strukturbesonderheiten f\u00fcr Frauen so attraktiv:<\/p>\n<ul>\n<li>NPOs erf\u00fcllen mit ihrer Werte- und Normenorientierung in hohem Ma\u00dfe die Erwartungen von Frauen an eine sinnvolle und gesellschaftlich n\u00fctzliche Arbeit.<\/li>\n<li>NPOs sind oftmals partizipativ ausgerichtet, bieten flache Hierarchien und Arbeitsbereiche mit hoher Eigenverantwortlichkeit.<\/li>\n<li>NPOs erm\u00f6glichen flexible Arbeitszeiten und bieten familienfreundliche Arbeitsbedingungen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Laut Forschung ziehen NPOs Frauen und M\u00e4nner an, die weniger an einer klassischen Karriere als an einer gesellschaftlich relevanten T\u00e4tigkeit und zudem an einer m\u00f6glichst ausgewogenen Balance von Erwerbsarbeit und Privatleben interessiert sind. Die meisten &#8211; oftmals hochqualifizierten &#8211; Frauen sind au\u00dferdem mit ihrer Bezahlung zufrieden.<\/p>\n<p>Erneut decken sich hier Forschung und mein eigenes Erleben. Ferner liegen meiner Erfahrung nach die Hemmschwellen f\u00fcr Entlassungen bei NPOs wesentlich h\u00f6her als im Profitbereich, was ein zus\u00e4tzliches attraktives Merkmal von NPOs bildet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n[\/et_pb_text][et_pb_text admin_label=&#8220;Frauen in der Leitungsebene&#8220; _builder_version=&#8220;4.9.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;]\n<h4><u>Frauen und NPO-Leitungsebenen<\/u><\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-21346 alignleft size-medium\" src=\"http:\/\/staging-sociusalt.socius.de\/wp-content\/uploads\/20190101_103335-2-300x267.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"267\" \/>Der starke Anteil von Frauen in NPOs auf der Besch\u00e4ftigtenebene spiegelt sich allerdings nicht auf der Leitungsebene: Die Vorst\u00e4nde sind mehrheitlich <em>von M\u00e4nnern dominiert<\/em>. Insbesondere auf den F\u00fchrungsebenen gro\u00dfer, einflussreicher NPOs wie beispielsweise finanzstarker Stiftungen finden sich nur wenige Frauen. Als Faustregel l\u00e4sst sich formulieren: Je gr\u00f6\u00dfer, finanzkr\u00e4ftiger und \u00e4lter eine Organisation ist, desto weniger Frauen bekleiden Spitzenpositionen. Die KZ-Gedenkst\u00e4tte Dachau bildet in dieser Frage eine Ausnahme: Nicht nur \u00fcbernahm schon im Zuge der Gr\u00fcndung 1965 eine Frau die Leitung, sondern wird die Leitung bis heute von einer Frau ausge\u00fcbt.<\/p>\n<p>Doch wieso sind NPO-Leitungsebenen immer noch gr\u00f6\u00dftenteils von M\u00e4nnern dominiert? Hier formuliert die schon erw\u00e4hnte Studie von 2017 folgende <em>Erkl\u00e4rungen<\/em>:<\/p>\n<ul>\n<li>Leitung und F\u00fchrung wird eher M\u00e4nnern zugetraut &#8211; auch etliche Frauen denken so.<\/li>\n<li>Frauen verf\u00fcgen \u00fcber weniger Selbstbewusstsein als M\u00e4nner und trauen sich deshalb Leitung weniger zu.<\/li>\n<li>Au\u00dferdem rekrutieren sich die \u00fcberwiegend m\u00e4nnlich besetzten Leitungsgremien inkl. der Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr Personalauswahl zumeist aus ihresgleichen: \u201eThomas w\u00e4hlt Thomas\u201c.<\/li>\n<li>Die prim\u00e4re Verantwortlichkeit f\u00fcr Kinder und Familie wird Frauen zugesprochen, wiederum auch von Frauen selbst.<\/li>\n<li>Frauen sehen sich mit gr\u00f6\u00dferen Leistungsanforderungen konfrontiert als M\u00e4nner.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dies alles bildet den Grundstoff, aus dem die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigte \u201eGl\u00e4serne Decke\u201c besteht, die zu durchdringen f\u00fcr Frauen so m\u00fchevoll ist.<\/p>\n<p><em>Weitere Gr\u00fcnde<\/em> sind laut Studie:<\/p>\n<ul>\n<li>Die unattraktiven Arbeitszeiten f\u00fcr Leitungspersonen: Wichtige Gremiensitzungen insbesondere mit Ehrenamtlichen finden an Wochenenden oder abends zu sp\u00e4ter Stunde statt. Und nicht selten werden st\u00e4ndige Erreichbarkeit und unbezahlte \u00dcberstunden erwartet.<\/li>\n<li>Frauen sind seltener als M\u00e4nner bereit, die Risiken eines Sprungs in die Leitungsebene einzugehen, zumal, wenn damit das Einarbeiten in einen neuen Bereich und\/ oder ein Wohnortwechsel verbunden sind.<\/li>\n<li>Frauen sind mit dem Vorhandenen inkl. einer guten Arbeitsatmosph\u00e4re zufrieden und richten sich auf mittleren Positionen ein.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine NPO-Mitarbeiterin bringt diese Haltung folgenderma\u00dfen auf den Punkt: \u201eVerantwortung, Stress, keine Freizeit, viel Koordinierungst\u00e4tigkeit. Ich sehe das nicht besonders positiv und mich in Zukunft auch nicht in einer F\u00fchrungsposition.\u201c<\/p>\n<p>So bleibt als Frage, wie sich diese aus meiner Sicht mindestens unbefriedigende Situation perspektivisch \u00e4ndern l\u00e4sst.<\/p>\n[\/et_pb_text][et_pb_text admin_label=&#8220;Handlungsempfehlungen&#8220; _builder_version=&#8220;4.9.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;]\n<h4><u>Handlungsempfehlungen<\/u><\/h4>\n<p>Die Autor*innen der Studie formulierten hierf\u00fcr Handlungsempfehlungen. Diese reichen von der Einf\u00fchrung einer gesetzlichen Quote f\u00fcr Leitungsebenen \u00fcber interne Netzwerkbildung bis hin zum Aufbau von Mentoring-Angeboten f\u00fcr berufliche Einsteiger*innen. Wenn ich an meinen eigenen beruflichen Werdegang und an mir bekannte Frauen denke, die in NPOs Leitungspositionen bzw. Stabstellen erlangten, dann fallen mir folgende <em>erg\u00e4nzende Punkte<\/em> ein:<\/p>\n<ul>\n<li>In Partnerschaften eine Aufteilung praktizieren, die den Beteiligten gleicherma\u00dfen Karrierewege erm\u00f6glicht. Sich au\u00dferdem durch Unterst\u00fctzungssysteme bis hin zu professionellen Dienstleister*innen entlasten.<\/li>\n<li>Als Frau in sich selber investieren z. B. in Form von Coaching oder kollegialer Beratung \u2013 das st\u00e4rkt das Selbstbewusstsein und die eigene strategische Denkf\u00e4higkeit.<\/li>\n<li>Frauenf\u00f6rderung durch konkretes Handeln praktizieren, auch ohne dass daf\u00fcr in der Organisation ein explizites Programm besteht.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-21344 size-medium alignright\" src=\"http:\/\/staging-sociusalt.socius.de\/wp-content\/uploads\/20190101_103442-3-300x213.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"213\" \/><\/li>\n<\/ul>\n<p>Unter <em>\u00f6konomischen Gesic<\/em><em>htspunkten<\/em> sollten sich Frauen meines Erachtens zudem genau \u00fcberlegen, ob die eigene mittel- und langfristige soziale Absicherung wirklich \u00fcber einen m\u00e4nnlichen Partner geplant werden sollte (was vielleicht auch den m\u00e4nnlichen Partner \u00fcberfordert bzw. unter unguten Druck setzt). Diese Reflexion schlie\u00dft das noch geltende Ehegattensplitting ein \u2013 verheiratete Frauen k\u00f6nnen es ablehnen und gemeinsam mit dem Partner ein \u00f6konomisch gleichberechtigtes Modell praktizieren. Zudem betrifft es die Entscheidungen zur Teilzeitarbeit: Wenn Teilzeitarbeit, dann wie lange und in welchem Umfang mit jeweils welchen langfristigen Konsequenzen f\u00fcr wen? Hinzu kommt, dass \u2013 leider \u2013 Teilzeitkr\u00e4fte oft geringere Chancen auf Leitungspositionen besitzen.<\/p>\n<p>Doch<em> insgesamt<\/em>, unter Ber\u00fccksichtigung aller genannten Faktoren, ist aus meiner Sicht festzuhalten: NPOs bieten Frauen interessante, sinnstiftende, sich in mehrfacher Hinsicht lohnende Arbeitsfelder und Arbeitsbedingungen &#8211; ich jedenfalls bin dem Bereich treu geblieben. Und wenn viele Frauen es wollen, davon bin ich zutiefst \u00fcberzeugt, lassen sich die NPOs weiter im Sinne von Gendergerechtigkeit und Diversity ausgestalten.<\/p>\n[\/et_pb_text][et_pb_divider _builder_version=&#8220;4.9.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;][\/et_pb_divider][\/et_pb_column][\/et_pb_row][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.9.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.9.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;weiterf\u00fchrende Links, Studien und Literatur &#8220; _builder_version=&#8220;4.9.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;]\n<h4>Weiterf\u00fchrende Links, Studien, Literatur<\/h4>\n<p>Inwiefern hier von einer \u201eRetraditionalisierung\u201c gesprochen werden kann, ist nicht ganz eindeutig. Vgl. Kohlrausch, B.\/ Zucco, A.: Was bedeutet die Corona-Pandemie f\u00fcr die Gleichstellung zwischen Mann und Frau? 24.11.2020. <a href=\"https:\/\/www.wsi.de\/de\/blog-17857-was-bedeutet-die-corona-pandemie-fur-die-gleichstellung-zwischen-mann-und-frau-28569.htm\">https:\/\/www.wsi.de\/de\/blog-17857-was-bedeutet-die-corona-pandemie-fur-die-gleichstellung-zwischen-mann-und-frau-28569.htm<\/a>.<\/p>\n<p>Vgl. au\u00dferdem dies.: Die Corona-Krise trifft Frauen doppelt. Weniger Erwerbsarbeit und mehr Sorgearbeit. WSI \u2013 Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung: POLICY BRIEF Nr. 40, 05\/2020. <a href=\"https:\/\/www.wsi.de\/de\/faust-detail.htm?sync_id=8906\">https:\/\/www.wsi.de\/de\/faust-detail.htm?sync_id=8906<\/a>.<\/p>\n<p>Vgl. au\u00dferdem: Pressemitteilung: Neue Ergebnisse der B\u00f6ckler-Erwerbspersonenbefragung: Corona und Arbeitszeit: L\u00fccke zwischen den Geschlechtern bleibt \u2013 Frauen erhalten seltener Aufstockung bei Kurzarbeit. 29.12.2020. https:\/\/www.wsi.de\/de\/pressemitteilungen-15991-corona-und-arbeitszeit-lucke-zwischen-den-geschlechtern-bleibt-29563.htm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n[\/et_pb_text][et_pb_divider _builder_version=&#8220;4.9.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;][\/et_pb_divider][et_pb_text admin_label=&#8220;sinnvoll zusammenwirken&#8220; _builder_version=&#8220;4.9.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;]\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-size: 18pt;\"><strong><span style=\"color: #ff9900;\">sinnvoll zusammen wirken<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n[\/et_pb_text][et_pb_divider _builder_version=&#8220;4.9.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;][\/et_pb_divider][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein pers\u00f6nliches Vorwort Der Beginn Ich war Berufsanf\u00e4ngerin, als ich 1991 von Berlin nach Bayern zog, um dort eine Projektstelle im Kontext der KZ-Gedenkst\u00e4tte Dachau anzutreten. 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