{"id":26288,"date":"2023-08-25T09:48:02","date_gmt":"2023-08-25T07:48:02","guid":{"rendered":"http:\/\/staging-sociusalt.socius.de\/?p=26288"},"modified":"2023-08-25T14:09:15","modified_gmt":"2023-08-25T12:09:15","slug":"jonas-friedrich-oe-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging-sociusalt.socius.de\/en\/jonas-friedrich-oe-tag\/","title":{"rendered":"Gastbeitrag von Jonas Friedrich: Reflexionen zum oe-tag 2023"},"content":{"rendered":"[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.22.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; da_disable_devices=&#8220;off|off|off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; da_is_popup=&#8220;off&#8220; da_exit_intent=&#8220;off&#8220; da_has_close=&#8220;on&#8220; da_alt_close=&#8220;off&#8220; da_dark_close=&#8220;off&#8220; da_not_modal=&#8220;on&#8220; da_is_singular=&#8220;off&#8220; da_with_loader=&#8220;off&#8220; da_has_shadow=&#8220;on&#8220;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.22.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.22.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Intro&#8220; _builder_version=&#8220;4.22.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]\n<h3 class=\"p1\"><b>Zuh\u00f6ren, Wir als Natur und demokratisch-feministisches Organisieren<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/h3>\n<p class=\"p1\">Meine<i> <\/i>Wahrnehmung schweift zu den Seiten hinaus, unter dem Sonnensegel der gesellig-leichtf\u00fc\u00dfigen Auftaktrede des oe-tag-Teams hervor; die Raben, ihre Verfolgungsjagden, der Wind in den B\u00e4umen, vibrierende Bl\u00e4tter in der Morgensonne. Sp\u00e4ter frage ich mich, ob eine Art des \u201ehorizontalen F\u00fchlens und H\u00f6rens\u201c nicht ein noch weiter zu entwickelnder Baustein von \u201aRegenerativen Kulturen\u2018 und deren Organisation sein mag. Zack, und meine Aufmerksamkeit ist bei den SOCIUS Initiator*innen. Aspekte von Regenerativit\u00e4t, lerne ich, sind sowohl <strong>gesundes Arbeiten &#8211; konzentrieren, gestalten, wertsch\u00e4tzen, regenerieren<\/strong>, \u2013 aber auch eine <strong>\u00f6kologische Ausrichtung, die \u00fcber traditionelle Verst\u00e4ndnisse von Nachhaltigkeit hinausgehen<\/strong>: Natur wird nicht als getrennt vom Menschen und damit extern, als eine Ressource zu unserem Gebrauch, als anthropozentrisch (durch den anthropos [\u1f04\u03bd\u03b8\u03c1\u03c9\u03c0\u03bf\u03c2], griechisch Mensch) kontrolliert verstanden (Gaard, 2021; Oksala, 2018). Mensch und Natur sind untrennbar verschr\u00e4nkt, oder wie der d\u00e4nisch-franz\u00f6sische Soziologe Nicolay Schultz formuliert: in der Klimakatastrophe besitzt die Erde uns, und nicht andersherum.<\/p>\n<h4 class=\"p1\">Wie organisieren wir uns also regenerativ?<\/h4>\n<p class=\"p1\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-26284 alignleft size-medium\" src=\"http:\/\/staging-sociusalt.socius.de\/wp-content\/uploads\/Foto_1_Jonas-225x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" \/>\u201eResonanz erzeugen; Zuh\u00f6ren mit allen Sinnen\u201c<\/strong> war Teil einer \u00dcbung zu \u201esch\u00f6pferischer Aufmerksamkeit\u201c, die mir in einem ersten Workshop begegnet. Britta Heine unterstreicht: nicht reagieren, nicht bewerten, kein Ergebnisfokus \u2013 einfach 5 Minuten offen zuh\u00f6ren und das Gesagte durch den K\u00f6rper flie\u00dfen lassen. Dabei ist Feedback, ein Rat oder eine Meinung &#8211; au\u00dfer es wird ausdr\u00fccklich gefragt &#8211; nicht das Ziel. Ich verstehe diese Form des generativen Zuh\u00f6rens als kreativen \u201eSafe Space\u201c, der sich unserer kapitalistischen Logik der Instrumentalit\u00e4t, auf ein Ziel hinzuarbeiten, der \u201etyranny of success\u201c wie Jack Halberstram (2011) es nennt, entzieht. Zuh\u00f6ren wird generativ, wenn der*die Zuh\u00f6rende sich Bewertungen enth\u00e4lt und der sprechenden Person durch aufmerksame Pr\u00e4senz R\u00e4ume der Selbst-Exploration erm\u00f6glicht \u2013 bewertungsarme Reflexion als Re-generation.<\/p>\n<p class=\"p1\">An diese neue Zuh\u00f6r-Erfahrung schlossen sich weitere im Verlauf des oe-tags an. Meine derzeitige Forschung spinnt sich um <strong>partizipatives, demokratisches Organisieren und Selbst-Management<\/strong>, im Rahmen dessen Austausch, Dialog, Debatte und dabei auch Zuh\u00f6ren eine ganz neue Bedeutung gewinnt. Aber wie k\u00f6nnen Qualit\u00e4ten des Zuh\u00f6rens in neuen, egalit\u00e4reren Formen des Zusammenarbeitens, flacheren und demokratisch legitimierten Hierarchien, und Spielarten von \u201anew work\u2018 aussehen?<\/p>\n[\/et_pb_text][et_pb_text admin_label=&#8220;\u00dcberschrift Tabelle&#8220; _builder_version=&#8220;4.22.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]\n<p>Im Folgenden versuche ich, Zuh\u00f6ren nach Zeit bzw. Tiefe des Zuh\u00f6rens und Intensit\u00e4t des Dialogs zu unterscheiden und eine Taxonomie zu erstellen.\u00a0<\/p>\n[\/et_pb_text][et_pb_text admin_label=&#8220;Tabelle&#8220; _builder_version=&#8220;4.22.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]\n<table class=\"t1\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td class=\"td1\" valign=\"top\">\u00a0<\/td>\n<td class=\"td2\" valign=\"top\">\n<p class=\"p3\"><b>(-) Zeit<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td class=\"td3\" valign=\"top\">\n<p class=\"p3\"><b>(+) Zeit<\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"td4\" valign=\"top\">\n<p class=\"p3\"><b>(-) Dialog-Fokus<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td class=\"td5\" valign=\"top\">\n<p class=\"p3\"><b>Direktives Zuh\u00f6ren<\/b><\/p>\n<p class=\"p3\"><i>Charakter:<\/i> Zuh\u00f6ren als Gehorsam; die Empfangende soll etwas verstehen. Es geht nicht um Zuh\u00f6ren f\u00fcr einen Dialog, sondern zuh\u00f6ren als Element f\u00fcr Koordination.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"p3\"><i>Beispiel:<\/i> Klassische hierarchische Organisationen e.g. Extrembeispiele: Milit\u00e4r, Kirche, Autokratien.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"p3\"><i>Prekarit\u00e4ten: <\/i>Koordination und Effizienz im besten und Machtaus\u00fcbung und -missbrauch im schlechtesten Fall k\u00f6nnen Teil dieser Art des Zuh\u00f6rens sein. Zuh\u00f6ren ist eingebettet in Hierarchien und Abh\u00e4ngigkeiten, die m\u00f6gliche Antworten oder Reaktionen (incl. Ausf\u00fchrung) auf das Gesagte rahmen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<\/td>\n<td class=\"td6\" valign=\"top\">\n<p class=\"p3\"><b>Generierendes Zuh\u00f6ren<\/b><\/p>\n<p class=\"p3\"><i>Charakter:<\/i> Verstehen der Zuh\u00f6renden tritt in den Hintergrund, w\u00e4hrend die Selbstexploration der Sprechenden erm\u00f6glicht wird. Das Gesagte wird nicht bewertet und nur bei expliziter Nachfrage kommentiert.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"p3\"><i>Beispiel:<\/i> Sch\u00f6pferische Aufmerksamkeit, achtsames Zuh\u00f6ren (z.B. in der Tradition von Thich Nhat Hanh)<\/p>\n<p class=\"p3\"><i>Prekarit\u00e4ten:<\/i> Das Grundprinzip des Nicht-bewertens kann schwer umzusetzen sein. Die Auswirkungen des sch\u00f6pferischen Zuh\u00f6rens auf die Beziehung der involvierten Personen kann herausfordernd sein, besonders wenn tiefgreifende weltanschauliche Differenzen bestehen, die danach nicht diskutiert werden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"td7\" valign=\"top\">\n<p class=\"p3\"><b>(+) Dialog- Fokus<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td class=\"td8\" valign=\"top\">\n<p class=\"p3\"><b>Assoziatives Zuh\u00f6ren<\/b><\/p>\n<p class=\"p3\"><i>Charakter:<\/i> Zuh\u00f6ren in schnellen, assoziativen, iterativen Austauschzirkeln; Ziel ist die gemeinsame Ideengeneration und der Wissensaustausch.<\/p>\n<p class=\"p3\"><i>Beispiel:<\/i> Eingesetzt oft in kreativen, innovations- oder strategiebezogenen Kontexten z.B. Brainstormings.<\/p>\n<p class=\"p3\"><i>Prekarit\u00e4ten: <\/i>Zuh\u00f6ren kann zum \u201adownloaden\u2018 der eigenen Ideen verkommen; ein Nicht-zuh\u00f6ren. Dominante Stimmen k\u00f6nnen in diesen Formaten \u00dcberhand nehmen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<\/td>\n<td class=\"td9\" valign=\"top\">\n<p class=\"p3\"><b>Tiefes Zuh\u00f6ren<\/b><\/p>\n<p class=\"p3\"><i>Charakter:<\/i> Interesse an dem Verstehen der Inhalte des anderen, aktiven Zuh\u00f6rens durch Nachfragen, nachhaken, paraphrasieren.<\/p>\n<p class=\"p3\"><i>Beispiel:<\/i> Entschleunigte Strategieformate, Supervision, tiefe Dialogformate, Mediation.<\/p>\n<p class=\"p3\"><i>Prekarit\u00e4ten: <\/i>Kann starke emotionale Arbeit bedeuten, die nicht selten unbezahlt von weiblich gelesenen Personen ausgef\u00fchrt wird.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n[\/et_pb_text][et_pb_text admin_label=&#8220;ZUh\u00f6ren&#8220; _builder_version=&#8220;4.22.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]\n<p class=\"p1\"><strong><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>\u201eDirektives Zuh\u00f6ren\u201c<\/strong> bildet dabei die klassischste Form einer Zuh\u00f6rqualit\u00e4t, die eher mit hierarchisch gegliederten Organisationen und klaren Arbeits-Abh\u00e4ngigkeiten in Verbindung steht \u2013 \u00dcberspitzt wird Zuh\u00f6ren zum Befehlsempfang und das akkurate Verstehen der Anweisung zur Voraussetzung, in der Organisation fortbestehen zu k\u00f6nnen. Eine Vielfalt von Spielarten des Zuh\u00f6rens versteckt sich hinter dieser weitverbreiteten Kategorie, die sowohl im klassischen Verst\u00e4ndnis von B\u00fcrokratie effizient, zweckrational und Ordnung-schaffend sein kann, als auch vielf\u00e4ltige Elemente der \u00dcber- und Unterordnung und Macht impliziert. Eine Chance demokratischen Organisierens ist, dass solche Hierarchien erst durch \u201aalle\u2018 demokratisch legitimiert werden m\u00fcssen, und nicht wie in vielen klassischen Unternehmen vornehmlich Kapital-getrieben sind.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>\u201eAssoziatives Zuh\u00f6ren\u201c<\/strong> und <strong>\u201eTiefes Zuh\u00f6ren\u201c<\/strong> haben einen st\u00e4rkeren Dialog- und Austausch-Fokus, da es um gemeinsames Verstehen, Weiterdenken, Informationsweitergabe, aber auch L\u00f6sungen finden und Verhandeln geht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\">Besonders spannend finde ich, dass <strong>\u201eGenerierendes Zuh\u00f6ren\u201c<\/strong> sowie \u201eDirektives Zuh\u00f6ren\u201c, wenngleich ganz anders gelagert, beides einseitig funktioniert. Dabei verkehren sich jedoch die Dominanzverh\u00e4ltnisse: das Generierende Zuh\u00f6ren wird zur Bef\u00e4higung einer kreativen Selbst-Exploration im Gegensatz zur direktiven Befehlsannahme. Und dabei soll nicht gesagt sein, dass Hierarchie und direktive Anweisung in bestimmten Momenten des Organisierens nicht nur effizient, sondern auch ethisch vertretbar sein k\u00f6nnen. Beispiele sind Eins\u00e4tze von Not\u00e4rzt:innen oder der Feuerwehr und andere zeit- und verantwortungsintensive Kontexte. In anderen Organisationen mag einseitige Direktion wertvollen Dialog verhindern, besonders bei informationsintensiver Wissensarbeit, in welcher unterschiedliche Perspektiven Grundlage f\u00fcr gute Ergebnisse sind.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n[\/et_pb_text][et_pb_text admin_label=&#8220;Feministisches&#8220; _builder_version=&#8220;4.22.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]\n<h3>Eine feministische Perspektive auf&#8217;s Zuh\u00f6ren<\/h3>\n<p class=\"p1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-26310 size-medium alignright\" src=\"http:\/\/staging-sociusalt.socius.de\/wp-content\/uploads\/oetag2023_23_06_01_454-300x203.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"203\" \/>Sich als \u201eSource\u201c verstehen, sich selbst zuh\u00f6ren, kann feministische F\u00fchrung in Genossenschaften, aber auch anderen Organisationen st\u00e4rken. In einem zweiten Workshop von <strong>Wera Stein und Amelie Salameh<\/strong> von der Kampagnenagentur und Organisationsberatung WIGWAM lerne ich: Das Betonen von Gleichheit in Eigentums-Strukturen und Gerechtigkeit in demokratischen Prozeduren bedeutet nicht, dass die Unterschiedlichkeit von Mit-Unternehmer*innen immer geachtet ist. In ihrem Workshop beschreiben sie die Gefahr des Glattb\u00fcgelns vielf\u00e4ltiger Pers\u00f6nlichkeiten in (zu wenig agiler) demokratischer F\u00fchrung. Damit verbunden seien tr\u00e4ge Prozesse und nicht selten fehlende Initiative &#8211; Gleichheits-\u00dcberschuss kann in kollektiven Organisationen blockieren. Hinzuf\u00fcgen m\u00f6chte ich gerne, ein Streben nach formaler organisationaler Gleichheit in Organisationen findet stets im Rahmen einer ungleichen Gesellschaft statt. Unsere Gesellschaft verteilt Handlungspotentiale und Macht verschieden. Analysiert man sie anhand von Aspekten wie Geschlecht, Hautfarbe, sozio-\u00f6konomischer Schicht und anderen Merkmalen sowie ihren Schnittstellen, wird deutlich, dass einige im Durchschnitt Privilegien, andere Diskriminierungen mit sich bringen. Diese werden auch in Organisationen sichtbar; auch wenn dort formelle Gleichheit z.B. durch demokratische Strukturen angestrebt wird, vermenget sich dies mit den Ungleichheiten unserer Welt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n[\/et_pb_text][et_pb_text admin_label=&#8220;Feministisch f\u00fchren&#8220; _builder_version=&#8220;4.22.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]\n<p class=\"p1\">Aber zur\u00fcck zum <strong>feministischen F\u00fchren,<\/strong> f\u00fcr welches Wera Stein und Amelie Salameh zwei Konzepte in Dialog bringen. Anhand von Ursula K. Le Guins (2020) \u201eTragetaschentheorie\u201c wird spielerisch-poetisch die Menschheitsgeschichte aus weiblich-f\u00fcrsorgender Perspektive statt \u00fcber \u201eSpeer\u201c, Kampf und Wettbewerb neu erz\u00e4hlt. Damit verbunden sind Forderungen zur \u201eEntmaskulinisierung\u201c von F\u00fchrung (Bastida et al., 2020) und dem gerechten Verteilen und Wertsch\u00e4tzen von F\u00fcrsorge-Arbeit (Fraser, 2016). Zudem wird das Konzept \u201eWork with Source\u201c aus Peter K\u00f6nig und Tom Nixons (2020) Arbeit vorgestellt. Es richtet die Aufmerksamkeit auf die Kraft von Initiator*innen und das Potential von Ideen. Der eigenen \u201aSource\u2018 zuzuh\u00f6ren, eigene Kr\u00e4fte und Impulse zu entdecken und diese mutig nach au\u00dfen zu kommunizieren, kann als Moment des Selbst-Zuh\u00f6rens und kraftvoll unternehmerisch zu sein, verstanden werden. Ich lerne: im Verfolgen von organisationaler Gerechtigkeit, Demokratie und Partizipation, bedarf es Empowerment und die Legitimation und Kraft, die eigene \u201eSource\u201c zu ergreifen und sich einzubringen. Das ist aus feministischer Sicht besonders f\u00fcr Frauen und andere Personen, die durch unterschiedliche Formen von Diskriminierung ihr Potential nicht umf\u00e4nglich in die Organisation einbringen k\u00f6nnen, wichtig und st\u00e4rkend.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n[\/et_pb_text][et_pb_text admin_label=&#8220;Res\u00fcmee&#8220; _builder_version=&#8220;4.22.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]\n<h3>Res\u00fcmee<\/h3>\n<p class=\"p1\">Nun ist der Text beinahe geschrieben und schon erwische ich mich wieder dabei, Zuh\u00f6ren und feministisches F\u00fchren vornehmlich als sozialen Prozess zu pr\u00e4sentieren. Wo sind die Raben, die B\u00e4ume, das S\u00e4useln des Windes und das Wahrnehmen der so sehr vertrockneten Landschaften Berlins? Erschreckend schlecht bin ich, wie wohl viele von uns, dem Sozialen, auch wenn es dort um wichtige K\u00e4mpfe und Gerechtigkeitsfragen geht, den Fokus auf Natur nebenanzustellen. Dabei zeigt eine Reihe von Forschungen, dass die Arbeit an Gender-Gerechtigkeit in vielerlei Hinsicht auch eine Arbeit gegen die Klimakatastrophe ist (siehe hierzu: Gloor J. L. et al. 2022). Ich m\u00f6chte daher argumentieren, regenerative Kulturen transformieren die Ungleichheiten des Sozialen, schaffen neue R\u00e4ume der Ruhe, des Zuh\u00f6rens und der Regeneration, aber gleichzeitig lauschen und antworten sie auf die desastr\u00f6sen Ver\u00e4nderungen unserer Mitwelt und begegnen ihnen regenerativ. Wie funktioniert also Zuh\u00f6ren der Natur, oder tiefer Zuh\u00f6ren als Teil der Natur? Vielleicht sollten wir Workshops, Konferenzen, unsere Arbeit, oe-tage nicht im Plenum von Menschen, sondern im Parlament der Natur starten? Z.B. zehn Minuten raus zu den Raben, zu den Linden und dann erst in soziale Interaktion? Zudem, sprechend mit Bruno Latour (2004), sehe ich auch die Notwendigkeit, Natur vermittelt \u00fcber Expert*innen, ihren Forschungen und Positionen zuzuh\u00f6ren. Unsere \u00d6kosysteme sind gr\u00f6\u00dfer und komplexer als das, was wir unmittelbar ersp\u00fcren und erfahren k\u00f6nnen. Daher vielleicht auch eine obligatorische Pause in jeder Konferenz, jedem Workshop oder Arbeitstag, um neuesten, unterschiedlichen Forschungen zu lauschen? Ihr seht schon, nun k\u00f6nnte ich neu beginnen mit einer Taxonomie des Zuh\u00f6rens. Vielleicht nehmen wir uns das gemeinsam vor?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n[\/et_pb_text][et_pb_divider color=&#8220;#88C4DD&#8220; _builder_version=&#8220;4.22.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_divider][et_pb_text admin_label=&#8220;Literatur&#8220; _builder_version=&#8220;4.22.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]\n<h5 class=\"p1\">Ausgew\u00e4hlte Literatur Hinweise:<\/h5>\n<p class=\"p3\">Bastida, M., Pinto, L. H., Olveira Blanco, A., &amp; Cancelo, M. (2020). Female Entrepreneurship: Can Cooperatives Contribute to Overcoming the Gender Gap? A Spanish First Step to Equality. <i>Sustainability<\/i>, <i>12<\/i>(6)<\/p>\n<p class=\"p3\">Fraser, N. (2016). Contradictions of Capital and Care. <i>New Left Review<\/i>, <i>100<\/i>, 99\u2013117.<\/p>\n<p class=\"p3\">Gaard, G. (2021). Queering the climate. <i>Men, Masculinities, and Earth: Contending with the (m) Anthropocene<\/i>, 515\u2013536.<\/p>\n<p class=\"p3\">Gloor, J. L., Eugenia, B. M., Post, C., &amp; Winfried, R. (2022). We Can\u2019t Fight Climate Change Without Fighting for Gender Equity.\u00a0<i>Harvard Business Review; Harvard Business Publishing: Brighton, MA, USA<\/i>.<\/p>\n<p class=\"p3\">Halberstam, J. (2011). The Queer Art of Failure. In <i>The Queer Art of Failure<\/i>. Duke University Press.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"p3\">Latour, B. (2004). Politics of nature. Harvard University Press.<\/p>\n<p class=\"p3\">Le Guin, U. K. (2020) Am Anfang war der Beutel. Warum uns Fortschritts-Utopien an den Rand des Abgrunds f\u00fchrten und wie Denken in Rundungen die Grundlage f\u00fcr gutes Leben schafft. Drachen Verlag<\/p>\n<p class=\"p3\">Nixon, T. (2020) Working with Source. Realize big ideas, organize for emergence and work artfully with money.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"p3\">Oksala, J. (2018). Feminism, capitalism, and ecology. <i>Hypatia<\/i>, <i>33<\/i>(2), 216\u2013234.<\/p>\n[\/et_pb_text][et_pb_divider color=&#8220;#88C4DD&#8220; _builder_version=&#8220;4.22.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_divider][et_pb_text admin_label=&#8220;Autor&#8220; _builder_version=&#8220;4.22.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]\n<h5>\u00dcber den Schreibenden<\/h5>\n<p class=\"p1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-26318 alignleft size-medium\" src=\"http:\/\/staging-sociusalt.socius.de\/wp-content\/uploads\/2023-Veranstaltungen-3-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p class=\"p1\">Jonas besch\u00e4ftigt seit seiner Jugend die Frage, wie wir die Wirtschaft sozialer und \u00f6kologischer gestalten k\u00f6nnen. Er hat \u00d6konomik und Soziologie an der Uni Witten\/Herdecke und Oxford University studiert und promoviert derzeit zu \u201aDemocratic Organizing Opportunities and Challenges for the Socio-Ecological Transformation\u2018 an der Universit\u00e4t St. Gallen. Darin bezieht er sich auf queer-feministische Theorien und relationale Ethiken. Praktisch begleitet er Organisationen zu kollegialer co-leadership, partizipativen und demokratischen Prozessen und gerechter \u201anew work\u2018.<\/p>\n<p class=\"p1\">Schreibt mir gern: <span class=\"s1\"><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/jonas-friedrich-726853147\/\">LinkedIn<\/a><\/span> \/ mail@jonasfriedrich.eu<\/p>\n[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.20.2&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.20.2&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_divider color=&#8220;#88C4DD&#8220; _builder_version=&#8220;4.21.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_divider][et_pb_text admin_label=&#8220;Sinnvoll zusammen wirken&#8220; _builder_version=&#8220;4.21.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]\n<h3 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #008080;\"><strong>sinnvoll zusammen wirken<\/strong><\/span><\/h3>\n[\/et_pb_text][et_pb_divider color=&#8220;#88C4DD&#8220; _builder_version=&#8220;4.21.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_divider][\/et_pb_column][\/et_pb_row][et_pb_row column_structure=&#8220;1_4,1_2,1_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.20.2&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; custom_margin=&#8220;|auto|60px|auto||&#8220; custom_padding=&#8220;||18px|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.20.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.20.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Social Text Inhalte&#8220; _builder_version=&#8220;4.20.2&#8243; background_color=&#8220;#FFFFFF&#8220; background_size=&#8220;initial&#8220; background_position=&#8220;top_left&#8220; background_repeat=&#8220;repeat&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; animation_style=&#8220;zoom&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-23537 size-full\" src=\"http:\/\/staging-sociusalt.socius.de\/wp-content\/uploads\/Socius_Logo-linksbuendig-e1663770875539.png\" alt=\"Socius change essentials\" \/><\/p>\n<p>Entdecke <strong>praxisnahe Tipps f\u00fcr selbstorganisiertes Arbeiten<\/strong> in unserem <strong>gratis Onlinekurs<\/strong>, den SOCIUS change essentials. Mit \u00fcber 30 Videos bietet der Kurs hilfreiche Selbstorganisations-Tools wie Konsentmoderation und Rollenboard-Tutorial.<\/p>\n<p>Melde dich an und erhalte zus\u00e4tzlich den SOCIUS brief, unseren Newsletter mit spannenden Themen und Veranstaltungen.<\/p>\n[\/et_pb_text][et_pb_button button_url=&#8220;https:\/\/socius.mymemberspot.de\/auth\/register?offerid=UPqDVTz5YHUDtbAoAHIL&#038;offername=SOCIUS%20change%20essentials%20&#8243; url_new_window=&#8220;on&#8220; button_text=&#8220;Hier kostenlos anmelden!&#8220; button_alignment=&#8220;center&#8220; _builder_version=&#8220;4.20.2&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_color=&#8220;#FFFFFF&#8220; button_bg_color=&#8220;#398596&#8243; button_border_radius=&#8220;15px&#8220; button_icon=&#8220;&#x41;||divi||400&#8243; button_icon_color=&#8220;#FFFFFF&#8220; button_icon_placement=&#8220;left&#8220; button_on_hover=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; button_bg_color__hover_enabled=&#8220;on|hover&#8220; button_bg_color__hover=&#8220;#93c119&#8243; button_bg_enable_color__hover=&#8220;on&#8220;][\/et_pb_button][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.20.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zuh\u00f6ren, Wir als Natur und demokratisch-feministisches Organisieren\u00a0 Meine Wahrnehmung schweift zu den Seiten hinaus, unter dem Sonnensegel der gesellig-leichtf\u00fc\u00dfigen Auftaktrede des oe-tag-Teams hervor; die Raben, ihre Verfolgungsjagden, der Wind in den B\u00e4umen, vibrierende Bl\u00e4tter in der Morgensonne. Sp\u00e4ter frage ich mich, ob eine Art des \u201ehorizontalen F\u00fchlens und H\u00f6rens\u201c nicht ein noch weiter zu entwickelnder [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":16,"featured_media":26305,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[1105],"tags":[1259,1260,228,1197,1261,1056],"class_list":["post-26288","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-oe-tag","tag-feministisch-fuehren","tag-natur","tag-oe-tag","tag-regeneration","tag-regeneratives-arbeiten","tag-zuhoeren"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v26.4 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Gastbeitrag von Jonas Friedrich: Reflexionen zum oe-tag 2023 - SOCIUS Organisationsberatung<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Zuh\u00f6ren, Wir als Natur und demokratisch-feministisches Organisieren\u00a0\" \/>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/staging-sociusalt.socius.de\/jonas-friedrich-oe-tag\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"en_US\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Gastbeitrag von Jonas Friedrich: Reflexionen zum oe-tag 2023 - 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